Google Analytics dürft ihr nur mit Einwilligung eurer Besucher einsetzen — und jeder Klick auf „Ablehnen“ fehlt hinterher in eurer Statistik. Wer wissen will, was auf der eigenen Website passiert, ohne Banner und ohne Datenabfluss in die USA, hat 2026 reichlich Auswahl: Matomo, Plausible, Umami, PostHog oder GoatCounter messen ohne Tracking-Cookies, laufen auf Wunsch auf euren eigenen Servern und kommen richtig konfiguriert in aller Regel ohne Einwilligungsbanner aus.
Vorab wie immer: Das ist eine technische Einordnung, kein Rechtsrat. Ob eure konkrete Konfiguration einwilligungsfrei läuft, klärt ihr mit eurer Datenschutzberatung.
Das eigentliche Problem ist nicht das Banner
Das Banner ist nur das sichtbarste Symptom. Dahinter steckt ein Messfehler, den viele jahrelang übersehen: Wenn ein Teil der Besucher die Einwilligung verweigert, zeigt eure Statistik nicht euren Traffic, sondern den Traffic derjenigen, die Banner wegklicken. Auf dieser Datenbasis werden dann Kampagnen bewertet und Budgets verteilt.
Dazu kommt die Rechtsgeschichte. 2022 erklärten die österreichische Datenschutzbehörde (dokumentiert bei noyb) und die französische CNIL den damaligen Google-Analytics-Einsatz für rechtswidrig, weil Besucherdaten ohne ausreichenden Schutz in die USA flossen. Das Data Privacy Framework hat die Übermittlung 2023 formal repariert. Nur: Diese Rechtsgrundlage hängt am politischen Klima zwischen Brüssel und Washington, und wer „EU-Region“ schon mal mit Souveränität verwechselt hat, weiß, wie schnell so ein Fundament bröckeln kann.
Und selbst wenn beides egal wäre, bleibt die nüchternste Frage: Wem gehören die Daten? Eure Rohdaten liegen in Googles Infrastruktur, mit Aufbewahrungsfristen und Auswertungsgrenzen, die Google festlegt. Exportieren könnt ihr Berichte. Die Datenhoheit habt ihr nicht.
Was „cookieless“ konkret bedeutet
Cookieloses Tracking erkennt Besucher nicht über eine im Browser gespeicherte Kennung wieder, sondern zählt Seitenaufrufe und Sitzungen anhand kurzlebiger, anonymisierter Merkmale. Matomo etwa lässt sich so konfigurieren, dass keine Cookies gesetzt und IP-Adressen gekürzt werden. Der Preis: Wiederkehrende Besucher lassen sich nicht über Monate hinweg wiedererkennen. Für eine Marketing-Website ist das verschmerzbar, für personalisierte Werbung nicht — und genau deshalb funktioniert das Modell. Es misst, was ihr wissen müsst, und lässt weg, was Begehrlichkeiten weckt.
Die Alternativen, ehrlich einsortiert
Matomo ist der Platzhirsch und fühlt sich von allen am ehesten wie Google Analytics an: Kampagnen-Tracking, Trichter, Heatmaps, sogar ein Import alter GA-Daten. Es läuft selbst gehostet oder in einer EU-Cloud. Wer den Funktionsumfang von GA gewohnt ist und ihn wirklich nutzt, landet fast immer hier.
Plausible ist das Gegenprogramm: ein einziges, aufgeräumtes Dashboard, in einer Minute eingebaut. Entwickelt von einem europäischen Anbieter, Open Source, wahlweise als EU-Cloud-Abo oder selbst gehostet. Wer ehrlich ist, braucht für eine Firmenwebsite selten mehr.
Umami spielt in derselben schlanken Liga, ist aber zuerst fürs Selbsthosten gebaut — eine kleine Anwendung mit eigener Datenbank, die sich gut in bestehende Infrastruktur einfügt. Bei uns im Umfeld die häufigste Wahl für Entwicklerteams.
PostHog ist eigentlich keine Web-Statistik, sondern Produktanalytik: Trichter, Feature-Flags, Session-Aufzeichnungen. Für eine Marketing-Site ist das zu viel Werkzeug. Wer aber eine Web-App betreibt und wissen will, wo Nutzer hängen bleiben, bekommt hier die selbst hostbare Antwort auf Mixpanel und Amplitude.
GoatCounter ist das Minimalprogramm — von einem einzelnen Entwickler gepflegt, für kleine Sites und Nebenprojekte gedacht, kostenlos nutzbar und Open Source. Keine Firma dahinter, dafür auch kein Ballast.
Piwik PRO gehört der Vollständigkeit halber dazu: der kommerzielle Ableger des früheren Piwik (aus dem auch Matomo hervorging), kein Open Source, aber ein EU-Anbieter mit Verträgen, Support und Compliance-Paket. Interessant, wenn die Anforderungen nach Konzern klingen und jemand einen Vertragspartner mit Haftung sehen will.
| Tool | Zuschnitt | Hosting | Open Source |
|---|---|---|---|
| Matomo | voller Funktionsumfang, GA-Import | selbst oder EU-Cloud | ja |
| Plausible | bewusst schlank | EU-Cloud oder selbst | ja |
| Umami | schlank, Selbsthosting zuerst | selbst oder Cloud | ja |
| PostHog | Produktanalytik für Web-Apps | selbst oder Cloud | ja |
| GoatCounter | minimal, kleine Projekte | Cloud oder selbst | ja |
| Piwik PRO | Enterprise, mit Support & Verträgen | EU-Cloud | nein |
Eine Einschränkung gehört dazu: Wer GA4 vor allem nutzt, um Kampagnen im Google-Werbenetzwerk auszusteuern, hat echten Wechselaufwand — die Verzahnung mit Google Ads bekommt kein anderes Werkzeug in dieser Tiefe. Wer dagegen wissen will, was auf der eigenen Website passiert, verliert beim Wechsel nichts außer dem Banner.
Selbst hosten oder hosten lassen?
Fast alle genannten Werkzeuge laufen auf eigener Infrastruktur — dann verlässt kein einziges Byte eurer Besucherdaten das Haus. Der Haken ist derselbe wie bei jedem selbst betriebenen Dienst: Die Software ist nicht das Problem, der Betrieb entscheidet. Ohne Updates, Backups und Monitoring wird aus dem Datenschutzgewinn ein Sicherheitsrisiko.
Wer den Gewinn ohne den Aufwand will, lässt die Statistik als Teil eines gemanagten Open-Source-Betriebs laufen — dasselbe Modell wie Selfhosting as a Service für Nextcloud und Co., nur eben für die Web-Analytik.
Ihr wollt weg vom Cookie-Banner und trotzdem wissen, was auf eurer Website los ist? Schreib mir — wir finden das Werkzeug, das zu eurem Bedarf passt, und betreiben es auf Wunsch gleich mit.