Wer Jira heute im eigenen Haus betreibt und dort bleiben will, landet fast immer bei zwei Kandidaten: OpenProject und Plane. Die Kurzfassung: OpenProject ist das klassische Projektmanagement mit Gantt-Diagramm, gebaut für Organisationen, die in Projekten denken. Plane ist der moderne Issue-Tracker für Software-Teams, die das Jira-Gefühl behalten wollen. Bei beiden entscheidet am Ende weniger das Werkzeug als die Frage, welche Funktionen in der freien Version fehlen.
Warum die Frage gerade jetzt kommt
Atlassian hat erst Server abgeschafft (Support-Ende war der 15. Februar 2024) und zieht jetzt bei Data Center nach. Laut Atlassian können Neukunden seit dem 30. März 2026 keine Data-Center-Abos mehr kaufen, Bestandskunden noch bis zum 30. März 2028. Am 28. März 2029 ist Schluss, danach laufen die Instanzen nur noch lesend.
Für Firmen, die Jira bewusst on-prem betreiben (oft aus Datenschutzgründen, manchmal schlicht wegen Vertrag mit dem Kunden), bleiben damit zwei Wege: in die Atlassian Cloud oder zu einem anderen Werkzeug. Wer ohnehin gerade die SaaS-Abos durchgeht, sollte die zweite Option ernsthaft prüfen. Zweieinhalb Jahre klingen lang. Für eine Migration mit Workflows, Custom Fields und eingewöhnten Teams sind sie es nicht.
Zwei Werkzeuge, zwei Denkweisen
OpenProject kommt von der OpenProject GmbH aus Berlin und steht unter der GPLv3. Das Werkzeug denkt in Projekten, mit Arbeitspaketen, Terminen und Gantt-Diagramm. Wer aus dem klassischen Projektmanagement kommt oder mit Behörden arbeitet, fühlt sich schnell zu Hause. Kein Zufall übrigens: Das Projektmanagement in openDesk, dem Open-Source-Arbeitsplatz des bundeseigenen ZenDiS, basiert auf OpenProject.
Der Haken steckt in der Enterprise-Edition. Laut Preisseite sind unter anderem SSO (SAML, OpenID Connect, Kerberos), die LDAP-Gruppensynchronisation, der Team-Planer und das Portfolio-Management kostenpflichtig. Die Enterprise-Tarife liegen bei 5,95 €, 10,95 € und 15,95 € pro Nutzer im Monat, mit Mindestnutzerzahlen. Boards gehören dagegen zur freien Version.
Plane ist deutlich jünger und fühlt sich an wie ein Issue-Tracker, den Software-Teams heute haben wollen: nah an Jira und Linear, mit aufgeräumter Oberfläche. Technisch ist es ein Django-, Node- und React-Stack mit PostgreSQL und Redis, die Community Edition steht unter der AGPL-3.0.
Auch hier muss man genau hinschauen. Plane sagt selbst, dass die Community Edition nur dem kostenlosen Cloud-Tarif entspricht. Alles darüber steckt in der Commercial Edition, und die ist Closed Source (immerhin mit 12 freien Plätzen pro Workspace). Laut Preisseite kostet Pro 6 $ und Business 13 $ pro Nutzer im Monat bei jährlicher Zahlung. SSO für selbst gehostete Instanzen gibt es erst ab Pro.
| OpenProject | Plane | |
|---|---|---|
| Schwerpunkt | klassisches Projektmanagement, Gantt | Issue-Tracking für Software-Teams |
| Lizenz (frei) | GPLv3 | AGPL-3.0 (Community Edition) |
| Bezahlversion | Enterprise (ab 5,95 € pro Nutzer/Monat) | Commercial Edition, Closed Source |
| SSO | Enterprise | ab Pro |
| Jira-Import | Jira Migrator (Beta, Server/DC 10.x/11.x) | nur Cloud und Commercial Edition |
Und der Jira-Import?
Hier trennen sich die beiden am deutlichsten. OpenProject hat mit Version 17.4 vom 23. April 2026 seinen Jira Migrator ohne Feature-Flag freigegeben. Er übernimmt Projekte, Issues mit Kommentaren, Historie und Anhängen, dazu Nutzer, Status und einen Teil der Custom Fields. Er ist aber noch Beta und kann laut OpenProject nur Jira Server und Data Center in den Versionen 10.x und 11.x lesen. Für Jira Cloud gibt es ihn nicht, was für die Zielgruppe dieses Posts allerdings egal ist.
Plane hat ebenfalls einen Jira-Importer, aber nur in der Cloud und in der Commercial Edition. Wer Plane frei selbst hostet und seine Jira-Historie mitnehmen will, zahlt also mindestens für die Migration. Das ist kein Skandal, man sollte es nur vor dem Pilotprojekt wissen und nicht danach.
Was ist mit Redmine und Leantime?
Beide gibt es, und beide haben ihre Leute. Redmine (GPLv2) ist das Urgestein: stabil, erweiterbar, und die Oberfläche sieht aus, als wäre sie es auch. Für Teams, die Tickets verwalten und sonst ihre Ruhe wollen, reicht das völlig. Leantime (AGPLv3) ist schlanker und wirkt eher wie ein Werkzeug für kleine Teams, die keine ausgewachsene PM-Suite wollen. Als Jira-Ersatz für ein Entwicklungsteam mit gewachsenen Workflows würde ich beide nicht an erster Stelle nennen.
Welches Werkzeug passt zu wem?
Meine Einschätzung: Wer in Projekten mit Terminen, Phasen und Abhängigkeiten plant, nimmt OpenProject. Das gilt besonders im Umfeld von Verwaltung und Mittelstand, wo das Gantt-Diagramm am Ende doch jemand sehen will. Wer ein Software-Team hat, das in Sprints arbeitet und Jira eigentlich mochte (nur nicht Atlassians Lizenzpolitik), wird mit Plane glücklicher.
Vor der Entscheidung gehört aber eine ehrliche Liste auf den Tisch: Braucht ihr SSO? LDAP-Gruppen? Wenn ja, landet ihr bei beiden in der Bezahlversion, und dann ist der Vergleich ein anderer. Soll die Jira-Historie mit, führt bei Plane kein Weg an der Commercial Edition vorbei. Und ein Unterschied bleibt, auch wenn man zahlt: Plane wechselt euch dafür in eine Closed-Source-Edition, bei OpenProject bucht ihr Enterprise-Funktionen dazu.
Betrieb, realistisch geplant
Beide laufen als Container und gehören in den gleichen Betrieb wie der Rest eines selbst gehosteten Stacks: Datenbank-Backups, Updates, Monitoring. Beim Wiki haben wir denselben Weg schon mit Outline und Docmost durchgespielt, und die Login-Frage stellt sich hier genauso. Wer einen zentralen Identitätsanbieter betreibt, will SSO, und genau das kostet bei beiden Werkzeugen Geld. Wer Instanz, Migration und Login nicht selbst tragen will, bekommt das als gemanagten Betrieb.
Euer Jira läuft on-prem und das Data-Center-Ende steht im Kalender? Schreib mir. Wir schauen uns eure Workflows an und klären, ob OpenProject oder Plane passt und was die Migration realistisch kostet.